Geistliches Wort

Geistliches Wort des Diözesanpräses Willi Koch aus Brakel in der Verbandszeitschrift „Der Schützenbruder“ (BHDS, 06/11)

Unvollkommen wie die Bruderschaft ist, kann ich sie lieben…

 

Liebe Schützenschwestern! Liebe Schützenbrüder!

Die Zeit der Schützenfeste hat nun voll begonnen. In einer Einladung einer Schützenbruderschaft stand der Satz: „Uns ist nicht daran gelegen, schnell durch die Geschichte zu eilen, vielmehr sind wir stolz darauf, bereits eine Strecke von 334 Jahren hinter uns gebracht zu haben, das ist nur mit Hilfe von Freunden gelungen." Ein Schützenbruder, der nach großer Enttäuschung in seiner Bruderschaft doch der Gemeinschaft treu blieb, sagte einem Freund: „Wenn sie vollkommen wäre, die Schützenbruderschaft, ich müsste sie fürchten. Unvollkommen wie sie ist, kann ich sie lieben." Ich finde, dass ist ein sehr sympathisches Wort über die Bruderschaft und über die Menschen, die der Bruderschaft angehören. Und ich finde, es entspricht dem, was die Schützen über sich selbst sagen könnten: „Wir sind eine Gemeinschaft, die Fehler und Schwächen hat. Die Schwächen werden oft vergessen oder nur leise gesagt." Es gilt also nach wie vor, die Menschen bleiben Menschen, auch als Schützenschwestern und Schützenbrüder, auch als Christen, denn Menschen haben überall auf der Welt Schwächen.

Die Idee von der perfekten Bruderschaft, von der idealen Gemeinde gibt es nicht. Viele unserer Bruderschaften schauen auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Da wird es sicherlich Bewegungen gegeben haben, weil Menschen allein und zu schnell geurteilt haben, weil sie vielleicht überfordert waren und dadurch Unfrieden gestiftet haben. Aber immer wieder gab es Menschen, die haben aus ihrem tiefen Glauben an Gott gehandelt und konnten somit für den Frieden in der Bruderschaft sorgen.

Eine Bruderschaft, auch ein Präses, muss immer wieder lernen, mit den Dingen des Tages, d. h. mit den Problemen und Schwierigkeiten umzugehen. Wenn in diesen Tagen in vielen Ländern der Erde unschuldige Menschen sterben, wenn Präsidenten in einigen Ländern der Erde ihre eigenen Landsleute ermorden, weil diese eine andere Meinung vertreten, dann ist das die größte Sünde, um im christlichen Wortschatz zu bleiben, die es gibt.

Ich finde, grundsätzlich gilt: Das Gespräch mit den Mitmenschen muss gesucht und gepflegt werden. Wer das tut, weiß, wie schwer das manchmal ist. Beim übereilten Vorgehen und im falschen Augenblick kann vieles daneben gehen.

Wir haben ein wunderbares Gebot als Christen: das Gebot der Nächstenliebe. Liebe ist nicht ein Gefühl, eine Stimmung, sondern hingehen zum Wartenden. Liebe ist Zeit zu haben, also weit gehen zu den Bedrängten, ist Eintreten und den Mund aufmachen für die Benachteiligten. Liebe, das ist ein Wort riskieren, wo man der Wahrheit den Kopf unter das Wasser hält. Liebe, das ist sprechen, wo die Leute dumm gemacht werden durch falsche Berichte und Verleumdungen. Liebe, das ist im tiefsten Herzen den Neid austilgen und das Gefühl der Überlegenheit und des Rechthabens. Liebe, das ist Wissen, was es bedeutet, wenn neben mir ein Mensch leidet. Solche Liebe meint Jesus Christus!

Eine kleine Geschichte macht das deutlich: Wie man die Menschen lieben soll, das habe ich von einem Bauern gelernt. Der saß mit einem anderen Bauern in einer Schänke und trank. Lange schwieg er, wie alle anderen. Als aber sein Herz vom Wein bewegt war, sprach er einen Nachbarn an: „Sag, liebst du mich oder liebst du mich nicht?" Jener antwortete: „Ich liebe dich." Der aber sagte daraufhin: ,,Du sagst, ich liebe dich und weißt überhaupt nicht, was mir fehlt. Würdest du mich in Wahrheit lieben, du würdest es wissen." Die Geschichte von dem Bauern will uns sagen: Liebe zu den Menschen ist, ihr Bedürfnis zu spüren und ihr Leid mit zu tragen. Wenn wir spüren, dass Menschen uns brauchen, dann tragen wir ihre Sorgen und ihr Leid mit, dann sind wir auf dem richtigen Weg, dann werden wir weit mitgehen können mit unseren Freunden, auch in den schweren Stunden des Lebens.

Liebe Schützenschwestern, liebe Schützenbrüder, im Weihegebet des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zum heiligen Sebastian heißt es: Festige uns in der Treue zu unseren Idealen, auf dass wir unser Leben glaubwürdig gestalten und uns mutig einsetzen für die Verwirklichung unserer Ideale Glaube, Sitte und Heimat. Stärke in uns dem Willen, den christlichen Glauben zu verkünden und ihn in unserem Leben zu verwirklichen. Hilf uns, Gott und den Nächsten zu lieben und das Leben zu schützen. Ich ermutige Sie, diesen Auftrag ernst zu nehmen, Glaubenszeugen zu sein, wie es in den Bruderschaften seit Jahrhunderten selbstverständlich ist. Viel Kraft und Gottes Segen für Sie!

 

Ihr Pfarrer Willi Koch

Diözesanpräses Paderborn



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